Da es bisher noch eine offene Frage ist, wie Fanny Metzger, die im Sinne der Nürnberger Rassegesetze als Jüdin galt, die Zeit des Nationalsozialismus überleben konnte, liegt es nahe, dass sie auf irgendeine Weise geschützt oder zumindest unterstützt wurde.
Deshalb habe ich – einem Hinweis folgend – im nahen Umfeld recherchiert und bin auf Friedrich
(Fritz) Dochat gestoßen. Er war der Schwager von Willy Metzger, dem Adoptivsohn von Fanny, gestoßen.
Fritz Dochat, geb. 26. 08. 1909 in Mingoldsheim war bei der Gestapo.
Hat er Fanny möglicherweise geschützt?
Meine Überlegung, wenn Fritz Dochat bei der Gestapo war, gab es bestimmt ein Spruchkammerverfahren. Und wenn er Fanny in irgendeiner Weise geholfen hat, dann hat er es bestimmt zu seiner Entlastung angeführt.
Im Generallandesarchiv Karlsruhe wurde ich fündig. Es gibt tatsächlich Verfahrensakten über Fritz Dochat, aber leider konnte ich keine Hinweise auf Fanny entdecken, dafür habe ich einiges über Fritz Dochat erfahren.
Quelle: Generallandesarchiv Karlsruhe; Verfahrensakten zu Friedrich Dochat (LABW-6628a2b2c83f1/465 l_12580.pdf)
Im Spruchkammerverfahren äußert er sich zu seiner Verteidigung. Dabei schildert er ausführlich wie er zur Partei zu SA, zur Gestapo und zur SS kam.
Nach seiner Bäckerlehre, die er 1929 abschloss, war er arbeitslos, machte in Thüringen eine landwirtschaftliche Umschulung, arbeitete in Mecklenburg, in Schlesien, war auf Wanderschaft, immer wieder arbeitslos, um schließlich ab September 1933 wieder bei den Eltern in Mingolsheim zu wohnen. In Bruchsal wurde er 1933 Gestapo-Anwärter.
Zu seine Entlastung führt Fritz Dochat in dem Verfahren an, dass er als Jugendlicher in der Deutschen Turnerschaft gewesen sein und von dem Turnerführer, zu dem er aufschaute („er war das Urbild eines deutschen Mannes“), aufgefordert wurde in die SA einzutreten.
Außer an Aufmärschen mitzumachen, hätte er sich aber nicht in der SA beteiligt und sei 1927 als er 18 wurde, „automatisch in die Partei aufgenommen“ worden.
Er gibt an, kein anderes Ziel gehabt zu haben, als daran mitzuhelfen, für den deutschen Arbeiter Arbeit und Brot zu verschaffen“ und damit auch ihm selbst. Mehrmals taucht in seinem Bericht das Wort „durchhungern“ auf.
Deshalb sei er auch zur Gestapo, weil er arbeitslos war und ein Polizist ihm das geraten hätte.
Dort, so betont Fritz Dochat, habe er hauptsächlich Büroarbeit gemacht.
Seine Gestapo-Tätigkeit führte ihn von Bruchsal nach Lahr und nach Kehl und Breisach.
Allerdings klappt es nicht so richtig mit dem Aufstieg. Er beklagt, dass andere schneller befördert worden seien und er zu wenig verdienen hätte. Deshalb wollte er auch von der Gestapo wieder weg.
Während seiner Tätigkeit in Lahr sei er hauptsächlich in „Kirchen- und Sektenangelegenheiten“
beschäftigt gewesen. Er betont, dass die Geistlichkeit ihm wird „bestätigen müssen, dass ich dies in sehr loyaler Weise tat. Es wurde weder ein Geistlicher eingesperrt noch bestraft.“ In Lahr war Dochat mit einer kurzen Zwischenzeit in Kehl von Oktober 1934 bis Juni 1938, es folgt als Einsatzort Breisach und am 1.9.38 der Sicherungsstab der Organisation Todt in Offenburg, Karlsruhe, Geldern Bitburg, St. Wendel und Saarbrücken und 1940 für 14 Tage Frankreich.
Dochat betont, dass er 1938 aufgrund des Ausgleichsbefehls als Untersturmführer in die SS aufgenommen worden sei. „Freiwillig wäre ich nicht die SS eingetreten“.
Als er im Oktober 1940 wieder zur Gestapo kam, hätte er sich freiwillig zur Front beworben, um von der Gestapo loszukommen. Dem sei nicht stattgegeben worden, er ei wegen seiner kritischen Haltung in Ungnade verfallen und erst 1940/41 Kriminalassistent bzw. Oberassistent geworden. 1943 wurde er Kriminalsekretär und „damit SS-Obersturmführer“.
War Dochat wirklich so harmlos? Fast widerwillig bei der Gestapo gelandet?
Fortsetzung folgt!

