Bei meiner Recherche nach Friedrich Dochat bin ich auf einen Artikel des Südkuriers vom 14. Juli 1949 gestoßen. In dem Artikel wird Friedrich Dochat im Rahmen der Rastatter Prozesse erwähnt. Vor dem französischen Tribunal zur Aburteilung von Kriegsverbrechern wird Dochat beschuldigt, an der Erschießung von elf Elsässern aus Vieux-Thann und Umgebung am 6. Dezember 1944 auf dem Talebuckel bei Rammersweier (zwischen Offenburg und Durbach) beteiligt gewesen zu sein.

Das Verfahren gegen Dochat wurde unterbrochen, da sein Wohnsitz nicht ausfindig gemacht werden konnte. Am 30. September 1949 erscheint eine kleine Notiz in der Karlsruher Neuen Zeitung, in der die Urteile über die Gestapobeamten Erwin Schoener und Friedrich Dochat mitgeteilt wurden. Schoener wurde zum Tod verurteilt, Friedrich Dochat zu 10 Jahre Zwangsarbeit.

Das Kriegsverbrechen bei Rammersweier, dem 11 junge Elsässer zum Opfer fielen, ist im Zusammenhang mit der sogenannten „Schwarzwälder Blutwoche“ zu sehen. Im November 1944 wurden von Pforzheim im Norden über Bühl, Rastatt, Kehl, Gaggenau, Offenburg bis Freiburg im Süden in Anbetracht der immer näher rückenden Front inhaftierte Widerstandskämpfer und -kämpferinnen der französischen Résistance ohne Gerichtsurteil hingerichtet bzw. brutal ermordet.
Die dramatische Geschichte einer Partnerschaft: Rammersweier und Vieu-Thann
1944 wurden junge Eläsässer auf Befehl von Gauleiter Wagner zwangsrekrutiert. Um sich dieser Maßnahme zu entziehen flogen junge Männer aus dem elsässischen Thann in einen nahegelegenen Wald, wo sie sich versteckt hielten. Daraufhin verhaftete die Gestapo willkürlich 11 Familienväter, die schließlich nach Offenburg ins Gefängnis gebracht wurden, wo sie Misshandlungen ausgesetzt waren. (C1571 Nr. 497 – Bild 1- Ausschnitt aus der Ortenauer Zeitung vom 6. Mai 1947))
Am 6. Dezember 1944 wurden die Gefangenen durch den Gestapochef Schöner und drei weiteren Gestapoangehörigen aus Offenburg (darunter Firedrich Dochat) mit einem Lastwagen in den Wald bei Rammersweier gebracht. Dort angekommen mussten sie sich nackt ausziehen; anschließend wurden sie an einem Bombentrichter erschossen und mit Erde zugedeckt. Die Kleidung der Ermordeten wurde zur Kleidersammelstelle der NSV in Offenburg gebracht.
Da ein an den Morden in Rammersweier beteiligter und in Straßburg inhaftierter SS-Mann gestanden hatte, wurden 1947 die Leichen der elf Ermordeten gefunden und exhumiert. Sie wurden in Offenburg in einer Schulturnhalle (in der Schillerstraße) aufgebahrt und am 8. Mai auf dem Offenburger Friedhof bestattet.
Der Kreisdelegierte Robert der Militärregierung des Lanbdes Baden schreibt an den Landrat von Offenburg: „Sie haben die Bevölkerung aufzufordern, sich diesem beweis öffentlicher Wiedergutmachung anzuschließen.“ (C1571 Nr. 497 – Bild 3)
Quelle: Dokumente im Staatsarchiv Freiburg C1571 Nr. 497 (digitalisiert) Auffindung der Leichen von elf von der Gestapo ermordeten Elsässern bei Rammersweier
Am 16. November 1947 schließlich wurden die sterblichen Überreste der 11 Männer nach Thann überführt und nach einer Gedenkfeier in Thann in ihren Heimatgemeinden bestattet. Die Gemeinden Rammersweier und Thann sind seit 2003 partnerschaftlich verbunden. Partnerschaft zwischen Rammersweier und dem elsässischen Thann

