Bei meiner Recherche nach Fanny Metzger bin ich auf Wolfram Benda gestoßen. Auf der Seite mappingthelives.org sind die Personen genannt, die bei der Deutschen Minderheitenvolkszählung von 1939 erfasst wurden. Zweck war die Erfassung der jüdischen bzw. jüdischstämmigen Bevölkerung. Festgehalten wurde, ob und wieviele Großelternteile jüdisch waren. In der Hochstraße 3 in Bruchsal, dem Wohnhaus der Familie Metzger, wird neben Fanny Metzger auch ein Wolfram Benda erwähnt. Fanny war zu dieser Zeit Witwe. Ihr Mann Gotthilf ist bereits 1922 verstorben. Der Adoptivsohn Willi war seit 1938 verheiratet. Fanny hat wohl leeren Wohnraum vermietet und wahrscheinlich auch aus finanziellen Gründen Mieter aufgenommen.

Aus der Minderheitenvolkszählung von 1939 erfährt man, dass Wolfram Benda am 4. August 1904 in Berlin- Charlottenburg geboren wurde und seine Ausbildung am Technikum Lage/Lippe gemacht hat. In dem Verzeichnis ist er als Halbjude ausgewiesen.

Ich wollte wissen, wer Wofram Benda ist und ob ich mehr über ihn, seine Herkunft und sein Schicksal herausfinden kann.

Archivfunde und Internetrecherche

Die Geburtsurkunde von Wolfram Benda nennt die Eltern: den Kapellmeister Willy Benda, mosaischer Religion und Margarethe Benda, geboren Jahr, evangelischer Religion. Als Geburtsort ist angegeben: Charlottenburg, Spandauer Straße 3.

Wolfram Benda, das steht als Vermerk auf beim standesamtlichen Geburtseintrag, war zweimal verheiratet. 1930 heiratete er in Bielefeld und 1941 in Stuttgart.

Im Bundearchiv gibt es eine Akte zu Wolfram Benda der Reichsverwaltung des Nationalsozialistischen Bundes Deutscher Technik, aus der hervorgeht, dass er Elektro-Ingenieur in Stuttgart war.

Willy Benda, der Vater von Wolfram ist 1929 in Bielefeld gestorben. Die Anzeige beim Standesamt macht der Sohn Siegfried Benda (Ingenieur). Aus dem standesamtlichen Sterberegister geht hevor, dass Willi Benda, am 5. Oktober 1868 in Vevey/Schweiz geboren wurde. Als Beruf ist Musikdirektor eingetragen.

Über die Familie Benda findet man diverse Einträge im Internet, unter anderem in Wikipedia.

vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Benda_(Familien)

Wolfram Benda ist in dieser Auflistung nicht enthalten; er ist aber eindeutig der Sohn des Willi Benda und seiner Frau Margarethe. Alle blau geschriebenen Namen sind mit einem Link unterlegt, der zu einer eigenen Personenbeschreibung in Wikipedia führt. Alle haben sich als Musiker/-innen einen Namen gemacht. Bereits die Großmutter von Wolfram Benda – Johanna, geb. Lesser war Pianistin. Sie soll mit Clara Schumann befreundet gewesen sein und mit ihr vierhändig Klavier gespielt haben. Ihr Mann Benny/Benjamin Benda war Buchhändler in Lausanne/Schweiz.

Willy Benda war Dirigent und Cellist, der zeitweise (in den 1890er Jahren) in Glasgow/Schottland lebte; dort war er Professor für Klavier, Cello und Begleitung an der Athenaeum School of Music und dirigierte das Amateurorchester Greenock mit mehr als 60 Mitgliedern.

Zurück in Deutschland wurde Willy Benda Lehrer am Klindworth-Scharwenka-Konservatorium in Berlin und ab 1907 Direktor des Musikkonservatoriums in Bielefeld.

Außerdem leitete er in Oelde den Musikverein. Bei hochgelobten Konzerten dirigierte er nicht nur den Chor, sondern trat, begleitet von seiner Frau am Klavier, auch als Solocellist auf. Seine Frau Maragarethe, das geht aus dem Adressbuch von Bielefeld hervor, war Klavierlehrerin.

Bekannt war vor allem der Bruder von Willy Benda: Hans (Jean) Benda (1874 – 1949), der sich als Geiger und Violinpädagoge einen Namen machte. Er unterrichte die Virtuossenklasse an der Königlichen Akademie für Musik in Berlin.

Auch wenn es in der Familie Benda bis heute viele Musiker/-innen gibt, scheint sie mit einer anderen Familie von Musikern gleichen Namens nichts zu tun zu haben. Jean Benda (1791 – 1870), der Urgroßvater von Wolfram Benda, hieß ursprünglich Bendix Itzig. Er stammt aus Schwerin an der Warthe (Posen) – damals preussisch, heute polnisch – und lebte seit 1799 als Kaufmann in Berlin.

Drittes Reich und Holocaust

Im Arolsen-Archiv gibt es eine Suchakte nach der Mutter von Wolfram Benda. Eine Schwiegertochter, wohnhaft Bielefeld, Weststraße 42a, gibt 1946 an, dass das Haus der Familie Benda in der Rohrteichstraße 10a bei einem Luftangriff zerstört worden sei und Frau Benda zeitweise in Ulm, Sebastian-Fischer-Weg 30 gelebt und die Absicht gehabt hätte zu ihrem Sohn Wolfram zu reisen, der in Solothurn/Schweiz leben würde (Adresse unbekannt).

Eine Schwester von Willy Benda, Margarete (Marguerite) Blumenthal (geb. Benda) wurde 1942 von Berlin aus deportiert und ist im Ghetto Litzmannstadt (Lodz) umgekommen.