Zur Bildhauerfamilie Metzger aus Schmie gehörten auch Alfred Metzger und sein Sohn Manfred Metzger in Mühlacker; Alfred – er war der Sohn von Gottlob Metzger – hat, nachdem er 1923 den väterlichen Betrieb übernommen hatte, den Bildhauerbetrieb nach Mühlacker verlegt. Auf der Suche danach, ob auch aus seiner Werkstätte jüdische Grabmale stammten, wurde ich nicht fündig, aber ich bin auf etwas anderes gestoßen. Im Staatsarchiv befinden sich die Verfahrenakten von Alfred Metzger. Laut Meldebogenwar Alfred Metzger Mitglied verschiedener NS-Organisationen, wie dem NSV, dem DAF oder dem NS-Reichkriegerbund. Ob er auch und vor allem ab wann er Mitglied der NSDAP war, erscheint unklar. Im 1937 gestellten Aufnahmeantrag in die Reichskammer der bildenden Künste ist jedenfalls keine Parteimitgliedschaft erwähnt, was letztlich zur Entlastung bei der Entnazifizierung geführt hat.

Politisch betätigt scheint sich Alfred Metzger nach Aussagen mehrer Zeugen nicht zu haben.

Die Klageschrift sieht Alfred Metzger als Aktivisten, das 1946 von der Spruchkammer gefällte Urteil fällt milder aus: Alfred Metzger wird lediglich als Mitläufer eingestuft und muss 400 RM Sühneleistung erbringen.

Wie bei Spruchkammerverfahren üblich, wurden Zeugen befragt, die über den Beschuldigten Auskünfte erteilten. Einerseits gibt es entlastende Zeugnisse, die betonen, dass Alfred Metzger kein Nazi gewesen sei. Andererseits gibt es auch Stimmen, die ihn belasten, oder ihn zumindest als einen sehen, der sein Mäntelchen in den Wind hängt. So schreibt der erste stellvertrende Bürgermeister der Stadt Mühlacker in der Auskunftserteilung: „Metzger, Alfred, bekannter Bildhauer, der geschäftlich sehr tüchtig ist, sich aber der Situation anzupassen versteht. Politisch war er ungefährlich.

Ähnlich formuliert Dr. Ascher, der im Dritten Reich zur Arbeit auf dem Friedhof verpflichtet worden war, nach dem Krieg von der amerikanischen Militärregierung in Mühlacker als Bürgermeister eingesetzt wurde und danach Landrat in Waiblingen war, folgendes: „Jedenfalls hat es Metzger verstanden, im Dritten Reich ebenso seine Schäfchen ins Trockene zu bringen, wie im zweiten oder vierten.“ Ascher beruft sich in seiner Stellungnahme auf den ehemaligen Friedhofsgärter Christian Schmalacker, der zeitweise auf dem Heuberg inhaftiert gewesen war: „Vor dem Bildhauer Alfred Metzger hat mich mein inzwischen verstorbener Vorgesetzter, der Friedhofsgärtner Christian Schmalacker gewarnt, weil dieser nach Charakter und politischer Einstellung zu fürchten sein.“ Ascher fährt aber fort: „Ob hierfür ein ungutes nachbarliches Verhältnis verantwortlich zu machen ist, wage ich nicht zu entscheiden.“

Aus den Spruchkammerakten des Alfred Metzger; Staatsarchiv Ludwigsburg (StAL EL 902–23_Bu 5488_0004)

Hermann Graubner von der Gärtnerei Graubner betont zu den Auseinandersetzungen mit Christian Schmalacker: „Differenzen zwischen dem verstorbenen städt. Friedhofsgärtner Christian Schmalacker u. Metzger waren rein geschäftlicher Art, u. größtenteils von Schmalacker veranlasst, der seine herrschsüchtigen Veranlagungen durchsetzen wollte.“ (Aus den Spruchkammerakten des Alfred Metzger; Staatsarchiv Ludwigsburg – StAL EL 902–23_Bu 5488_00018)

Aus den Spruchkammerakten des Alfred Metzger; Staatsarchiv Ludwigsburg (StAL EL 902–23_Bu 5488_00025)

Für uns heute ist es schwierig, gerecht zu urteilen. Wenn man die Spruchkammerakten aus unterschiedlichen Verfahren betrachtet und vergleicht, fällt ein gewisses Muster auf: viel Entlastendes wird vorgebracht und keiner will Nationalsozialist gewesen sein. Aber man muss auch bedenken, dass es gerade für Menschen, die irgendwie in der Öffentlichkeit standen , ein Amt hatten oder wie Alfred Metzger Gewerbetreiebende waren, man leicht Teil des Systems wurde. Auch weil viele Organisationen gleichgeschaltet gewesen waren. Aber gerade so wurde das System unterstützt und mitgetragen. Kritik am Nationalsozialismus wurde nur im privaten und persönlichen Umfeld geäußert.

Dass sowohl bei den Zeugen der Anklage wie der Verteidigung auch persönliche oder berufliche Beziehungen eine Rolle spielen können, zeigt ein zentraler Punkt im Verfahren: das Denkmal bei der Hitlereiche in Schmie.

Alfred Metzger hat, als in Schmie 1933 die Hitlereiche gepflanzt wurde, einen Gedenkstein mit einem Hakenkreuz als Symbol angefertigt. Die Klageschrift des öffentlichen Klägers der Spruchkammer Vaihingen (Enz) Karl Stahl erwähnt diese Auftragsarbeit als Begründung dafür, dass eine Klage gerechtfertigt sei.Die Frage im Spuchkammerverfahren war, das zeigen die Dokumente, hat Metzger sich für diese Arbeit beworben, weil er ein überzeugter Natinaolsozialist gewesen war, oder war es einfach nur ein Auftrag. Neben den unterschiedlichen Akteuren spielt auch ein ominöser Brief an die Ortsgruppe der NSDAP in Schmie eine Rolle.

In den Spruchkammerakten findet sich eine Notiz vom 13. 6. 1947, nach der Bildhauer Christian Walter aus Schmie erwähnt, dass Metzger, als in Schmie die Hitlereiche gepflanzt wurde, ein „kleines Denkmal aufgestellt u. in die Mitte ein Hakenkreuz gemeiselt“ hätte. In der Notiz heißt es weiter: „Mezger (!) hat an die Partei geschrieben, Herr Walter wäre nicht National sozialistisch ( eingestellt u auch geschäftlich nicht national, was dann an den Zellenleiter Velde (!) weitergeleitet wurde u. dies ist von Velde dem Herrn Walter gesagt worden, daß der Brief von der Konkurrenz komme.“

Aus den Spruchkammerakten des Alfred Metzger; Staatsarchiv Ludwigsburg (StAL EL 902–23_Bu 5488_0007)

Nach einer anderen Notiz, auch vom 13.6.1947, heißt es von Albert Velte , dass ihm nicht mehr bekannt sei, wer den Brief geschrieben habe, er hätte ihn auch persönlich nicht gesehen, sondern nur vom Geschäftsführer davon erfahren. Auch sei die Rede gewesen, dass es „sich zwischen Walter Schmie und einem gewissen Mezger handelt. „Herr Velte hat dort zum Ortsgruppenführer oder Geschäftsführer gesagt, das ist nur Geschäftsneid.“

Auch Gottlieb Schenk äußert sich zu dem Brief und dem Denkmal; er betont, dass Alfred Metzger den Auftrag für den Gedenkstein am Hitlerplatz durch Bürgermeister Bachmann bekommen hätte. Zellenleiter Schenk hätte den Auftrag nach Mühlacker gebracht. Bachmann hätte zu Schenk, als dieser dem Bildhauer Walter aus Schmie den Auftrag geben wollte, gesagt: „Mezger (!) kennt sich besser aus, er ist akademisch gebildet.“

Erfolgte die Vergabe dieser Bildhauerarbeit also allein nach Fähigkeit und nicht nach politischer Einstellung? Oder wird dies im Nachhinein nur als Entschuldigung angeführt?

Alfred Metzger selber betont in seiner Verteidigungsschrift, dass bei der Vergabe der Arbeit in Schmie seine Zugehörigkeit zur NSDAP keine Rolle gespielt haben könne, weil er zu der Zeit „überhaupt nicht Mitgleid war und weil dies in Parteikreisen allgemein bekannt war. Um diese Arbeit habe ich mich niemals bemüht. Sie ist mir lediglich auf Grund meiner persönlichen Leistung übertragen worden.“ (Aus den Spruchkammerakten des Alfred Metzger; Staatsarchiv Ludwigsburg -StAL EL 902–23_Bu 5488_00028). Außerdem weißt er darauf hin, dass die Arbeiten in Schmie nur einen Rechnungsbetrag von ungefähr 15,– Reichmark ausgemacht hätten. “ Es kann also keine Rede von einem Denkmal sein.“